
Das Buch entstand aus einem konkreten Anlass: Im Herbst 1985 besetzte eine Gruppe jüdischer Demonstranten die Bühne der Frankfurter Schauspielhauses, um die Uraufführung von Rainer Werner Fassbinders Stück Die Stadt, der Müll und der Tod zu verhindern, dessen Hauptfigur schlicht „Der reiche Jude“ heißt. Die deutsche Öffentlichkeit reagierte auf die Besetzung mit einer Empörung, die Broder staunen ließ: nicht über das Stück, sondern über die Juden, die es verhinderten ärgerte man sich. Dieser Skandal bildet den Ausgangspunkt für eine Anatomie des deutschen Antisemitismus, die Broder seither in sieben Kapiteln ausbreitet. […]
40 Jahre und kein bisschen veraltet
Im Vorwort zur Neuauflage spannt Broder den Bogen zur Gegenwart. Der 7. Oktober 2023, an dem die Hamas ihr Massaker an israelischen Zivilisten verübte, und die nachfolgenden Demonstrationen in deutschen Großstädten haben die Diagnosen von 1986 nicht widerlegt, sondern bestätigt und verstärkt. Der Antizionismus als salonfähige Form des Judenhasses ist längst keine Randerscheinung mehr, er verbreitet sich an Hochschulen, in NGOs, im Kulturbetrieb. Aus Fassbinders „Der reiche Jude“ ist der „kolonialistische Zionist“ geworden – der Vorwurf hat gewechselt, die Logik ist dieselbe geblieben. […]
Der ewige Antisemit ist kein bequemes Buch. Es enthält keine beruhigenden Schlussfolgerungen und keine optimistischen Appelle. Broders These – dass Aufklärung, Bildung und Gedenkkultur den Antisemitismus nicht aushöhlen, sondern bestenfalls seine Formulierungen verfeinern – lässt dem Leser keine gemütliche Ausflucht. Darin liegt die bleibende Qualität des Buches: Es beschreibt ein Muster, nicht einen Moment. Wer verstehen will, warum aus dem „Lernt endlich aus der Geschichte“ so selten etwas Greifbares jenseits von Sonntagsreden wird, findet hier eine Antwort, die nach 40 Jahren nichts von ihrer Schärfe und Aktualität verloren hat.
( Mit freundlicher Genehmigung von Achgut-Edition Verlag der Achgut Media GmbH)









