
Freitag, 17:05 Uhr. Eigentlich wollten mein fünfjähriger Enkel und ich nur noch kurz über das Weinfest schlendern, etwas essen, vielleicht ein kleines Getränk genießen und einen schönen Nachmittag haben. Doch leider hatte unser Bus Verspätung – und damit offenbar auch unser Anspruch auf ein bisschen Feststimmung.
Als wir ankamen, fragte ich höflich, ob wir trotz der Verspätung ohne 7 Euro Eintritt noch einmal kurz über das Weinfest laufen dürften. Schließlich waren wir nicht auf der Suche nach einer kostenlosen Weinprobe oder wollten den Festbetrieb bis in die Nacht aufhalten. Ich wollte einfach nur mit meinem Enkel ein bisschen Zeit dort verbringen.
Die Antwort kam prompt und eindeutig:
„Dann müsst ihr halt morgen, am Samstag, kommen. Da ist es auch frei bis 17 Uhr.“
Nun ist mein fünfjähriger Enkel leider noch nicht so weit, dass er seinen Terminkalender nach den Öffnungszeiten eines Weinfestes richtet. Und auch ich hatte für Samstag bereits andere Pläne. Das erklärte ich auch – allerdings ohne Erfolg.
Da fragt man sich schon: Wo ist eigentlich die viel beschworene Gastfreundschaft geblieben?
Gerade bei einem Weinfest sollte doch ein bisschen Gelassenheit dazugehören. Ein Bus hat Verspätung, ein Großvater oder eine Großmutter kommt mit einem kleinen Kind an – und statt „Kein Problem, gehen Sie ruhig noch kurz rein“ heißt es sinngemäß: „Pech gehabt. Kommen Sie morgen.“
Vielleicht sollte man künftig auf den Eintrittskarten nicht nur Datum und Uhrzeit vermerken, sondern auch:
„Einlass nur bei pünktlicher Ankunft. Verspätungen durch den öffentlichen Nahverkehr werden nicht berücksichtigt.“
Und für alle, die mit Kindern kommen, vielleicht noch den Zusatz:
„Kinder dürfen selbstverständlich mitgebracht werden – sofern sie sich an den Fahrplan halten.“
So wird aus einem gemütlichen Weinfest schnell eine kleine Lektion in deutscher Gründlichkeit.
Schade eigentlich. Denn ein Weinfest sollte doch vor allem eines sein: ein Ort, an dem man gerne willkommen ist.
Und manchmal hätte ein freundliches „Kommen Sie ruhig noch kurz rein“ wahrscheinlich mehr für die Stimmung getan als jede Flasche Wein. Prosit!









