Wenn der Wocheneinkauf zur Oper wird – Ein Besuch bei Alnatura

Ich war mit zwei kleinen Kindern  bei Alnatura in Konstanz. Der Plan war simpel: ein paar gesunde Lebensmittel kaufen, freundlich lächeln und wieder nach Hause. Der Plan der Kinder war allerdings ein anderer.

An der Kasse dauerte es etwas länger. Mein kleiner Enkelsohn beschloss spontan, sein Gesangstalent unter Beweis zu stellen – allerdings nicht mit „Alle meine Entchen“, sondern mit einer ausdrucksstarken Interpretation von „Ich will JETZT sofort irgendwas, weiß aber selbst nicht was!“. Die Akustik war hervorragend. Vermutlich sogar in der Bio-Obst-Abteilung.

Während ich versuchte, gleichzeitig den Einkauf einzupacken, das Kind zu beruhigen und meine Würde zusammenzusammeln, meldete sich eine Dame aus der Warteschlange zu Wort. Ihr freundlicher Vorschlag: Man solle doch bitte rausgehen, das Geschrei nerve.

Da dachte ich kurz: Ach, stimmt! Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Einfach den halben Einkauf stehen lassen, mit dem schreienden Kind nach draußen marschieren und hoffen, dass sich die Lebensmittel inzwischen selbst bezahlen.

Ich war eigentlich immer der Meinung, Alnatura sei ein familienfreundlicher Laden. Vielleicht gehört das Schreien kleiner Kinder ja sogar zum natürlichen Ökosystem – irgendwo zwischen Dinkelvollkornbrot und Hafermilch.

Kinder sind eben keine Roboter mit Stummschaltung. Manchmal sind sie laut, manchmal müde und manchmal der festen Überzeugung, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht, weil die Banane falsch geschält wurde.

Am Ende war der kleine Sänger wieder zufrieden, die Kassenschlange bewegte sich weiter und ich nahm eine wichtige Erkenntnis mit: Bio-Gemüse wächst mit Geduld – und die Gelassenheit mancher Menschen offenbar etwas langsamer?

Jetzt wird mir einiges klar: Kinder sollen leise, brav und erwachsen sein – bloß nicht auffallen. Hunde dürfen dagegen bellen, wie sie wollen. Und dann wundert man sich, dass immer weniger Menschen Kinder bekommen wollen!

Angesagt


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