
Der deutsche Pass ist kein Freifahrtschein für eine Identität, die Deutschland ablehnt.
Es ist ein Satz, der in Deutschland inzwischen beinahe als Sakrileg gilt: Nicht jeder, der rechtlich Deutscher ist, fühlt sich auch als Deutscher.
Und genau darüber sollte man endlich ehrlich sprechen dürfen.
Wer in Deutschland geboren wurde oder den deutschen Pass besitzt, ist selbstverständlich deutscher Staatsbürger. Das ist rechtlich eindeutig und nicht verhandelbar. Doch ein Pass ist zunächst ein Dokument. Er ist kein Charakterzeugnis, kein Integrationsnachweis und auch keine automatische Garantie dafür, dass sich jemand mit dem Land, seiner Gesellschaft und seinen Werten identifiziert.
Trotzdem wird in Deutschland immer wieder so getan, als dürfe man diese Unterschiede nicht benennen.
Da leben Menschen seit ihrer Geburt in Deutschland, sprechen Deutsch, besuchen deutsche Schulen und profitieren von diesem Land – und erklären gleichzeitig öffentlich, dass sie sich nicht als Deutsche fühlen. Deutschland sei nicht ihre Heimat. Deutsche Traditionen seien ihnen fremd. Die deutsche Geschichte interessiere sie nicht. Stattdessen wird die Herkunft der Eltern oder Großeltern zum entscheidenden Teil der eigenen Identität erklärt.
Das ist das gute Recht jedes Einzelnen.
Aber dann muss auch die Gesellschaft das Recht haben, diese Haltung zu hinterfragen.
Denn eines muss klar sein: Wer Deutschland grundsätzlich ablehnt, kann nicht gleichzeitig erwarten, dass die deutsche Gesellschaft jede Form der Abgrenzung kritiklos akzeptiert.
Integration bedeutet nicht, seine Herkunft zu verleugnen. Integration bedeutet nicht, seine Familiengeschichte zu vergessen. Niemand verlangt, dass Menschen ihre Wurzeln aufgeben.
Aber Integration bedeutet, sich in eine Gesellschaft einzufügen und Verantwortung für sie zu übernehmen.
Es ist bequem, in Deutschland zu leben, deutsche Schulen und Universitäten zu besuchen, die Infrastruktur zu nutzen, die sozialen Sicherungssysteme in Anspruch zu nehmen und die Möglichkeiten dieses Landes zu genießen. Es ist weniger bequem, sich gleichzeitig zu fragen, was man selbst für dieses Land empfindet und welchen Beitrag man zu seiner Gesellschaft leisten möchte.
Noch bequemer ist es, Deutschland bei jeder Gelegenheit zu kritisieren, die deutsche Gesellschaft als rassistisch oder rückständig darzustellen und sich bei jeder Gelegenheit von „den Deutschen“ abzugrenzen – während man selbst rechtlich genau zu dieser Gesellschaft gehört.
Man kann nicht dauerhaft sagen: „Ich bin kein Deutscher, wenn es um Verantwortung und Zugehörigkeit geht, aber selbstverständlich Deutscher, wenn es um Rechte und Ansprüche geht.“
Das funktioniert auf Dauer nicht.
Eine Gesellschaft braucht ein gemeinsames Fundament. Sie kann vielfältig sein. Sie kann unterschiedliche Religionen, Kulturen und Familiengeschichten vereinen. Aber sie braucht auch verbindende Elemente.
Eine gemeinsame Sprache.
Gemeinsame Regeln.
Respekt vor der Rechtsordnung.
Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern.
Meinungsfreiheit.
Toleranz.
Und ein grundlegendes Bekenntnis dazu, dass man Teil dieser Gesellschaft sein will.
Wer all das akzeptiert und gleichzeitig seine familiären Wurzeln pflegt, ist selbstverständlich willkommen. Mehrere kulturelle Identitäten können nebeneinander existieren. Niemand muss seine Herkunft verleugnen, um Deutscher zu sein.
Aber wer sich bewusst von Deutschland abgrenzt, die deutsche Gesellschaft verachtet oder sie als grundsätzlich minderwertig darstellt, sollte sich eine einfache Frage gefallen lassen:
Warum möchte man dann dauerhaft hier leben?
Ein Land kann nicht von seinen Bürgern verlangen, dass sie ihre Herkunft vergessen. Aber es darf erwarten, dass sie die Gesellschaft respektieren, deren Teil sie sind.
Der deutsche Pass ist ein wichtiges Dokument. Er macht seinen Besitzer rechtlich zum Deutschen.
Aber er ist kein Freifahrtschein.
Nicht für Respektlosigkeit gegenüber der Gesellschaft.
Nicht für die Ablehnung ihrer freiheitlichen Grundordnung.
Und auch nicht dafür, Deutschland nur dann als Heimat zu bezeichnen, wenn es gerade um Vorteile geht.
Wer in Deutschland lebt, sollte nicht gezwungen werden, sich deutsch zu fühlen. Aber wer Deutschland dauerhaft ablehnt, sollte auch ehrlich genug sein, diese Haltung nicht als gelebte Integration zu verkaufen.
Denn am Ende ist die Frage nicht nur:
„Was steht in deinem Pass?“
Sondern auch:
„Wofür stehst du – und zu welcher Gesellschaft willst du gehören?“









