
Wer am vergangenen Samstag mit dem Seehas von Konstanz nach Radolfzell fahren wollte, brauchte vor allem eines: starke Nerven.
Da die Bahnstrecke wegen Bauarbeiten gesperrt war, sollte ein Schienenersatzverkehr eingerichtet sein. Also fährt man zum Konstanzer Hauptbahnhof – in der berechtigten Erwartung, dort klare Hinweise zur Abfahrt der Ersatzbusse zu finden. Doch Fehlanzeige. Kein Schild, keine Wegweisung, keine Information. Wer nicht vorher im Internet recherchiert hatte, war aufgeschmissen.
Immer mehr Fahrgäste versammelten sich ratlos vor dem Bahnhof. Laut Fahrplan sollte der Ersatzbus um 8.31 Uhr beziehungsweise 8.32 Uhr abfahren. Doch weit und breit war kein Bus zu sehen.
Erst gegen 8.45 Uhr erschien schließlich ein gelber EVB-Bus. Auf meine Frage, ob es eine Direktverbindung nach Radolfzell gebe, antwortete der Fahrer nur: „Nein, ich fahre jede Haltestelle an. Da müssen Sie halt auf die Schilder schauen.“ Als ich ihm sagte, dass es am Hauptbahnhof überhaupt keine Schilder gibt, zuckte er lediglich mit den Schultern.
Zuvor hatte ich bereits einen anderen Busfahrer angesprochen, der gegenüber dem Bahnhof Pause machte. Seine Auskunft: Er komme später am Hauptbahnhof vorbei – nach seiner Pause, also erst gegen 8.50 Uhr.
Schließlich wurden wir dicht gedrängt wie Sardinen nach Radolfzell gebracht. Dort warteten bereits die nächsten Probleme. Der Anschlusszug aus Friedrichshafen hatte rund 15 Minuten Verspätung, weil er auf einen vorausfahrenden Zug warten musste. Wer weiter nach Erzingen, Bad Säckingen oder Rheinfelden wollte, musste erneut bangen: Warten die Anschlussbusse überhaupt auf verspätete Züge?
Niemand erwartet, dass Bauarbeiten ohne Einschränkungen möglich sind. Aber eine funktionierende Fahrgastinformation darf man wohl verlangen. Ein Hauptbahnhof ohne Hinweisschilder zum Schienenersatzverkehr, verspätete Ersatzbusse und ratlose Fahrgäste sind kein Aushängeschild für einen modernen öffentlichen Nahverkehr.
Vielleicht sollten die Verantwortlichen einmal selbst versuchen, an einem solchen Wochenende ohne Vorkenntnisse mit dem Schienenersatzverkehr zu reisen. Dann würden sie schnell merken, wo die eigentlichen Baustellen liegen.









