
Während Millionen Arbeitnehmer nach Jahrzehnten harter Arbeit auf einen verdienten Ruhestand hoffen, wird immer häufiger über eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters diskutiert. Die Rente mit 70 erscheint manchen Ökonomen und Politikern als unausweichliche Lösung. Doch für viele Menschen stellt sich eine andere Frage: Ist wirklich kein Geld mehr da – oder wird es an anderer Stelle ausgegeben, ohne Prioritäten zu setzen?
Wer mit Anfang zwanzig ins Berufsleben eingestiegen ist, hätte bei einem Renteneintritt mit 70 fast ein halbes Jahrhundert gearbeitet. Für Büroangestellte mag das noch vorstellbar sein, für Pflegekräfte, Handwerker, Bauarbeiter oder Schichtarbeiter klingt es eher wie ein schlechter Witz. Wer jahrzehntelang körperlich gearbeitet hat, weiß, dass der Körper nicht jede statistische Berechnung aus Berlin mitmacht.
Dabei hört man aus der Politik immer wieder, dass die Rentenkassen unter Druck stehen und die Gesellschaft altert. Das stimmt. Doch gleichzeitig scheint für viele andere Projekte stets Geld vorhanden zu sein.
Kritiker verweisen beispielsweise auf milliardenschwere Hilfspakete für die Ukraine. Die Unterstützung eines angegriffenen Landes kann sicher politisch und moralisch begründet werden. Dennoch darf man die Frage stellen, ob ein Staat, der seine eigenen Bürger bis 70 arbeiten lassen will, nicht zumindest eine offene Debatte über Prioritäten führen muss.
Ebenso wird immer wieder die Auszahlung von Kindergeld ins Ausland diskutiert. Zwar handelt es sich dabei um einen rechtlich zulässigen Anspruch innerhalb der Europäischen Union, doch viele Bürger empfinden es als schwer vermittelbar, wenn Familienleistungen für Kinder gezahlt werden, die dauerhaft außerhalb Deutschlands leben, während gleichzeitig behauptet wird, die Finanzierung der Renten sei kaum noch zu stemmen.
Hinzu kommen kostspielige Prestigeprojekte, ausufernde Bürokratie und eine Verwaltung, die oft Milliarden verschlingt, ohne dass der Bürger einen entsprechenden Nutzen erkennt. Während für Beraterverträge, Förderprogramme oder ideologisch geprägte Projekte immer wieder neue Mittel gefunden werden, sollen diejenigen, die den Wohlstand dieses Landes erarbeitet haben, länger schuften.
Natürlich wäre es unseriös zu behaupten, dass die Einsparung einzelner Posten sämtliche Probleme der Rentenkasse lösen würde. Doch ebenso unseriös wäre die Behauptung, dass nur die Rente mit 70 alternativlos sei.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem nicht darin, dass Deutschland zu wenig Geld hat. Vielleicht liegt es darin, dass der Staat immer mehr Aufgaben übernimmt und immer neue Milliarden verteilt, während die Kernaufgaben – Infrastruktur, Bildung, innere Sicherheit und eine verlässliche Altersvorsorge – zunehmend unter Druck geraten.
Eine Gesellschaft sollte sich daran messen lassen, wie sie mit den Menschen umgeht, die Jahrzehnte gearbeitet, Steuern gezahlt und das Land aufgebaut haben. Wenn die Antwort darauf lautet, dass der Maurer, die Krankenschwester oder der Schlosser bis 70 arbeiten sollen, während an anderer Stelle Milliarden ohne große Diskussion ausgegeben werden, dann ist Kritik nicht nur erlaubt – sondern notwendig.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht: „Können wir uns die Rente mit 67 oder 70 leisten?“ Sondern: „Welche Prioritäten setzen wir – und wem muten wir die Folgen unserer politischen Entscheidungen zu?“
Denn eines dürfte sicher sein: Wer den Menschen nach 45 oder 50 Arbeitsjahren erklärt, sie müssten noch länger arbeiten, sollte sehr gute Argumente haben. Und der Hinweis, dass „leider kein Geld da“ sei, überzeugt nur dann, wenn der Staat zuvor bewiesen hat, dass er mit dem Geld der Steuerzahler verantwortungsvoll umgeht.









