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Ein Juwel mitten in Konstanz, umrahmt von Bäumen:
Die Schottenkapelle St. Jakob

Sie ist eines der ältesten geschichtsträchtigen Bauwerke der Stadt. Obwohl die heutige Kapelle erst aus dem Jahr 1589 stammt, reichen ihre Wurzeln bis ins Hochmittelalter zurück und sind eng mit den sogenannten Schottenklöstern verbunden, die von irischen Mönchen gegründet wurden.


Im 11. und 12. Jahrhundert gründeten irische Benediktinermönche entlang wichtiger Handels- und Pilgerwege zahlreiche Klöster im deutschsprachigen Raum. Diese wurden als „Schottenklöster“ bezeichnet, obwohl ihre Gründer überwiegend aus Irland stammten. Damals wurden die Iren oft als „Scoti“ bezeichnet.


Nach lokaler Überlieferung entstand das Schottenkloster St. Jakob in Konstanz im Jahr 1142. Historisch eindeutig belegt ist es allerdings erst seit dem frühen 13. Jahrhundert. Wahrscheinlich wurde es vom Bischof von Konstanz gegründet oder wieder besiedelt, wobei die ersten Mönche vermutlich aus dem Schottenkloster St. Jakob in Regensburg kamen.

Das Kloster lag damals außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern, westlich der Altstadt, zwischen dem Rheinufer und der heutigen Schottenstraße. Es diente nicht nur dem klösterlichen Leben, sondern auch der Betreuung von Pilgern auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Im Laufe des Spätmittelalters verlor das Kloster an Bedeutung. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und eine geringe Zahl von Mönchen schwächten die Gemeinschaft. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden sogar schottische Mönche in das Kloster berufen, um neues Leben hineinzubringen.

Doch die Ereignisse der Reformationszeit veränderten Konstanz grundlegend. Die Stadt schloss sich zeitweise der Reformation an. In dieser Phase wurden die Gebäude des Schottenklosters aufgegeben und schließlich um 1529/30 abgebrochen. Damit endete die fast vierhundertjährige Geschichte des Klosters.

Nach dem Abbruch des Klosters nutzte die Stadt das Gelände ab 1541 als Friedhof. Über Jahrhunderte entwickelte sich dieser „Schottenfriedhof“ zur wichtigsten Begräbnisstätte der Stadt.

Um den Friedhof religiös zu betreuen, beschloss der Konstanzer Rat 1589 den Bau einer neuen Friedhofskapelle. Diese erhielt den Namen Schottenkapelle St. Jakob und erinnert bis heute an das frühere Kloster.

Die heutige Kapelle wurde als schlichter Sakralbau der Spätrenaissance errichtet. Sie war nie Teil des mittelalterlichen Klosters, sondern entstand Jahrzehnte nach dessen Zerstörung. Dennoch steht sie auf demselben historischen Gelände und bewahrt dessen Erinnerung.

Von 1784 bis 1870 diente der Schottenfriedhof als zentraler Friedhof der Stadt Konstanz. Erst mit der Eröffnung des neuen Hauptfriedhofs auf der anderen Rheinseite wurde die Anlage aufgegeben. Anschließend wurden viele Gräber eingeebnet. Später entstanden auf dem Gelände das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und weitere Gebäude.

Nach der Aufgabe des Friedhofs verlor die Kapelle ihre ursprüngliche Funktion. Im 20. Jahrhundert verfiel sie zunehmend und war mehrfach vom Abriss bedroht. Erst in den 1970er Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass sie ein wichtiges Kulturdenkmal der Stadt darstellt.

Zwischen 1974 und 1980 wurde das Gebäude umfassend restauriert. Die Außenrenovierung erfolgte durch die damalige Eigentümergesellschaft, während die katholische Kirche anschließend den Innenraum erneuerte. Dadurch konnte die Kapelle dauerhaft erhalten werden.

Besonders bemerkenswert sind
* Wandmalereien aus dem Jahr 1733
* Die farbigen Glasfenster des Künstlers Albert Birkle aus dem Jahr 1980
* Eine moderne Jakobusfigur der Bildhauerin Brigitta Hemmer von 1994

Nach wechselnden Nutzungen durch verschiedene christliche Gemeinden erhielt die Kapelle in den 2020er Jahren neue Aufmerksamkeit. Seit 2024/25 wird sie im Rahmen der katholischen Citypastoral wieder regelmäßig genutzt. Sie dient heute als Ort der Stille, des Gebets, der Meditation und kleiner kultureller Veranstaltungen.

Die Schottenkapelle ist heute weit mehr als eine ehemalige Friedhofskapelle. Ihre Geschichte spannt einen Bogen von den irischen Wandermönchen des Hochmittelalters über die Reformation bis in die Gegenwart – nahezu 900 Jahre Konstanzer Stadtgeschichte an einem einzigen Ort.



Quellen: Wikipedia und Röm. kath. Kirchengemeinde Konstanz

Bilderechte: Dorothea Wuttke

Angesagt


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