von Claus-Dieter Hirt

Der Konstanzer Gemeinderat und die Stadtverwaltung stehen sich bei der Benennung oder Umbenennung oder auch nur bei Erläuterungen von Straßennamen seit Jahren selbst im Weg. Aktueller Fall ist der maßgeblich von der SPD initiierte Antrag, den Seeuferweg zwischen Yachthafen und Hörnle nach dem früheren Gewerkschaftssekretär und SPD-Stadt- und Kreisrat und Ehrenringträger der Stadt Konstanz Erwin Reisacher zu benennen.
Da ist zunächst die mittlerweile von Quereinsteigern dominierte Verwaltungsspitze, die den entsprechenden Antrag – hauptsatzungswidrig – in die so genannte Straßenbenennungskommission verweisen wollte. Da ist auf der anderen Seite ein Gemeinderat, der nicht erkennen will, dass diese Straßenbenennungskommission eher eine Straßenbehinderungskommission ist. Um nur einige Beispiele zu nennen:
1. Schon vor Jahren wurde beantragt, in Konstanz eine Straße nach dem Begründer der Städtepartnerschaft mit der französischen Partnerschaft Fontainebleau, dem damaligen Oberbürgermeister und Senateur Paul Séramy zu benennen. Der Antrag wurde auf die verwaltungsinterne, wahrscheinlich unendlich lange Liste der Vorschläge gesetzt und verschwand im Nirvana.
2. Gleiches gilt für die längst überfällige Benennung einer Straße, nach dem französischen Presseoffizier Georges Ferber, der wesentlich dazu beitrug, die Pressefreiheit im deutschen Südwesten wieder einzuführen. Die 80-jährige Wiederkehr dieses Ereignis in diesem Jahr wäre gegebener Anlass gewesen. Eine städtische Initiative blieb bis heute aus. https://u-kn.de/2025/09/18/frankreich-und-die-pressefreiheit-im-deutschen-sudwesten
3. Auf den Antrag aus der Bürgerschaft, den Platz vor dem Lago in „Piazza di Lodi“ umzubenennen reagierte die Stadtverwaltung zunächst mit der Vogelstrauß Politik und mühte sich, nachdem sie fünf Monate überhaupt nicht reagiert hatte, zur Antwort durch, dass eine fremdsprachliche Verwendung nicht den Richtlinien in der Stadt Konstanz zur Benennung vom letzten und Straßen entspreche. https://u-kn.de/2025/08/13/kein-platz-fur-lodi
4. Diese vom Gemeinderat einmal beschlossene Richtlinie muss nun auch dafür herhalten, um zu verhindern, dass der Seeuferweg in Erwin Reisacher Weg umbenannt werden kann. Ein an Peinlichkeit kaum zu überbietender Vorgang. Der frühere SPD-Stadt- und Kreisrat Reisacher machte sich um die Stadt Konstanz verdient, weil er ganz wesentlich dazu beitrug, einen freien Seeufergang zu schaffen. In seinem autobiografischen Werk Steinige Wege am See. (erschienen in der Schriftenreihe des Arbeitskreises für Regionalschicht die Bodensee. ISBN 3-7977-0290-6 )schrieb Erwin Reisacher dazu selbst:“
„Es war eines meiner großen Anliegen im Gemeinderat, das Bodenseeufer für die Bevölkerung zu erschließen. Es gab dafür wohl zwei sich gegenseitig überlagernde Beweggründe. Zum einen erkannte ich die Notwendigkeit, den durch die Arbeitsverdichtung und gesteigerte Produktivität immer mehr ausgepowerten Menschen mehr Erholungsmöglichkeiten in der freien Natur zu verschaffen. Zum zweiten empörte mich die Tatsache, dass entgegen Gesetz und ständiger Rechtsprechung eine wenige Privilegierte am Seeufer Grundstücke in Anspruch nahmen, während die Masse der Bevölkerung sich in wenigen öffentlichen Badeplätzen drängen musste“
Die von Reisacher maßgeblich organisierte Seeufer Demonstration 1975 fand bundesweit Beachtung, wenngleich die Initiatoren mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch, Vorladungen zur Vernehmung und Geldstrafen belegt wurden. Vorwürfe der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs sowie Körperverletzung standen im Raum. All dies erscheint heute wie eine Legende aus längst vergangenen Zeiten, ist aber gerade erst 50 Jahre her. Jedes Mitglied des Konstanzer Gemeinderates sollte bis zur endgültigen Entscheidung über die Umbenennung noch einmal in Ruhe auf dem Weg zwischen Yachthafen und Hörnle spazieren gehen, die Sonnenstrahlen des milden Oktobers genießen und dann dankbar dem Antrag auf Umbenennung in Erwin Reisacher Weg zuzustimmen.
Es sind oft in vielfacher Weise steinige Wege in dieser Stadt, vielleicht führen sie aber doch noch zum Ziel.




