von Friedrich Kratzer

Gerade einmal 18 Jahre alt war die Büro-Luftwaffenhelferin Rosmarie, als sie die beiden militärisch und strategisch völlig sinnlosen Bombardierungen von britischen und amerikanischen Bomber am 11. August und 25. September 1944, in einem Straßburger Keller überlebte. Anderntags, am späten Nachmittag, fuhr sie ab Kehl mit einem für die Konstanzer Lazarette bestimmten Verwundetentransport auf Heimaturlaub an den Bodensee.
Bei einem kurzen Halt in Appenweier waren Luftschutzsirenen zu hören. Dem Personal auf der Lokomotive wurde bei der Einfahrt des Zuges in den Offenburger Bahnhofsbereich signalisiert: Durchfahren, nicht anhalten, Luftalarm. Mit Volldampf donnerte der Zug das Kinzigtal Richtung Schwarzwald hinauf, um nach Hornberg in einem der Tunnels die Dunkelheit abzuwarten. Spät in der Nacht fuhr dann der Verwundetentransport mit Rosmarie über die Rheinbrücke in das helle, seit dem 13. September 1944 nicht mehr verdunkelte Konstanz ein.
Rosmarie sagte ihrem Vater, daß sie nicht mehr nach Straßburg zurückkehren wolle. Dieser hatte über die Feuerwehr einen großen Bekanntenkreis und konnte erreichen, dass Rosmarie als Funkerin der Luftwaffenfunkstelle auf den Allmannshöhe beim Wasserturm übernommen wurde (später Funkmessstelle der Deutschen Bundespost), mit einem Hauptmann als Chef. Nun musste sie Morsezeichen lernen, im Schichtdienst ausländische Funksignale mitschreiben, diese entschlüsseln und auf ein Formblatt eintragen.
Als Rosmarie mitbekam, dass die Alliierten Aachen eingenommen hatten, entfuhr es ihr: „Wie können die noch vom Endsieg reden, wenn die Amis schon in Aachen sind.“ Irgend jemand hat Rosmarie verpetzt, denn zwei Tage späte musste sie sich auf der Gestapo-Wache in der Mainaustraße (heute Rot-Kreuz-Wache) melden, wo ihr Defätismus vorgeworfen wurde. Rosmarie entschuldigte sich: „Das ist mir nur so rausgefahren . . . “ Der Gestapo-Beamte: „Seien sie vorsichtig und nicht so vorlaut! Sie können gehen.“ Auweia- nochmal davongekommen!
Nach Ostern 1945 näherte sich die 1eme Armée française über Tuttlingen und Stockach dem Bodensee. Omnibusse fuhren in Konstanz nicht mehr, so musste Rosmarie zu Fuß von Petershausen auf die Allmannshöhe und zurück gehen. Allmählich war auch aus westliche Richtung Gefechtslärm zu vernehmen. Am Samstag, 20. April 1945, hatte Rosmarie noch Spätschicht. Als sie am folgenden Montag früh wieder zum Dienst kam, waren die Räume leer. „Fräulein Rosmarie, sie können nach Hause gehen. Die Dienststelle ist aufgelöst. Wir wurden nach München verlegt“, sagte der noch anwesende Hauptmann. In der Nacht zuvor wurden die Funkgeräte auf Lkw verladen, und nachts mit einer Fähre über den See gefahren.
Rosmaries Eltern hatten im Stadtteil Paradies einen Kleingarten und konnten so erfahren, dass im benachbarten Restaurant „Trompeterschlößchen“ Verhandlungen über die kampflosen Übergabe der Stadt geführt wurden. Am Donnerstag, 26. April 1945, war es soweit. Ab 9 Uhr vormittags gaben durch die Stadt fahrende Lautsprecherwagen Anweisungen für die Bevölkerung.
Hans, der kleine Bruder, hatte einer alten Frau beim Brennholzholen geholfen, und war noch nicht zu Hause. Der Vater fand ihn in der Eichhornstraße, von wo er ihn per Fahrrad abholte. „Die Panzer kommen schon die Mainaustraße herunter,“ berichtete der Vater. Kurz darauf hörte man sie auch durch die Wilhelmstraße (Theodor-Heuss-Straße) Richtung Rheinbrücke rumpeln. Hinter leicht ausgestellten Rollläden schauten Rosmarie und die Familie zu.
So ging für Rosmarie und die Konstanzer die froh waren, dass für sie am Ende doch noch alles gut gegangen ist, vor 80 Jahren der Krieg zu Ende. Ab dem 1. Juni 1945 arbeitet Rosmarie bei der Stadtverwaltung, wo sie später ihren Mann Friedrich kennenlernte. Beide wurden Mitglieder bei der Deutsch-Französischen- Vereinigung e.V.
Nach Aufzeichnungen und mündlichen Berichten nacherzählt.









