Die Entwicklung des Alarmierungs- und Fernmeldewesens bei der Feuerwehr Konstanz

Die ursprüngliche Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz nach ihrer Gründung im Oktober 1857 erfolgte in einem Brandfall bis 1911 mit der Feuerglocke durch den Münsterturm-Hochwächter. Am 01.11.1886 wurde in Konstanz die erste OVstH in Betrieb genommen. Der Hochwächter, der Feuerwehrkommandant, die Kompanieführer und die „Signalisten“ bekamen 1898 einen Fernsprechanschluss an diese OVstH. Per Fahrrad oder zu Pferd, mittels eines Mehrtonsignalhornes erfolgte die Alarmierung durch die Signalisten quer durch die Stadt. Bis zur flächenmäßigen Abdeckung der Stadt durch ein öffentliches Fernsprechnetz der Reichspost, musste die Rückmeldungen von den Einsatzstellen per Melder mit Fahrrad, später mit einem Motorrad erfolgen.

a. drahtgebunden
Das öffentliche Konstanzer Fernsprechnetz der Deutschen Bundespost war bis 1955 nicht automatisiert, d. h., die Fernsprechverbindungen im Orts- und Fernverkehr wurden von „Fräulein vom Amt“ mit der Hand vermittelt. Musste die Feuerwehr herbeigerufen werden, geschah das einmal per Telefon, oder über die 1921 von der Firma Siemens & Halske AG in den Straßen an markanten Stellen installierten rot angestrichenen „Feuermelder“. Bei diesen musste eine kleine Glasscheibe eingeschlagen, und die dahinter befindliche Taste betätigt werden. „Scheibe einschlagen – Knopf drücken“, stand auf der weiße Tafel als Gebrauchsanweisung. Auf dem Meldertableau im Rathaus, später im Wachzimmer der Feuerwehr am Stefansplatz wurde die Alarmierung signalisiert. Der wachhabenden Feuerwehrmann der „Ständigen Wache“ ermittelte mittels einer Karteikarte den Standort des einlaufenden Melders, wohin dann das Tanklöschfahrzeug ausrückte. Diese öffentlichen Feuermelder verleiteten manchen Zeitgenossen zum übermütigen Unfug. 1945 wurden einmal in einer Woche 45 mutwillige Alarmierungen gezählt.

Die in der Konstanzer Altstadt und im rechtsrheinischen Petershausen wohnenden Feuerwehrmänner wurden ab 1921 nach und nach an eine drahtgebundene Weckerlinie angeschlossen. Deren Zuführungen wurden als Blankdraht-Freileitungen an die jeweiligen Wohnhäuser hin gebaut, und waren an deren roten Porzellan-Isolatoren erkennbar. Diese Weckerlinien waren in drei, und in Reihe geschalteten Alarmierungsschleifen aufgeteilt. Sie ermöglichten nun eine stille Alarmierung der Wehrmänner. Aktiviert wurden diese Weckerlinien mit 60V Wechselstrom zuerst mittels Kurbeliduktor, später per Tastendruck. Die Wartung und regelmäßigen Messungen der „Schleifen“ erfolgte durch die Techniker des E-Werks. Eine weitere Überwachung der Betriebssicherheit war der allwöchentliche Probealarm jeden Samstag um 12 Uhr. Zusätzlich konnten ab 1940 bei Großfeuer vom Rathaus und Landratsamt aus mit dem Ferntastgerät (Fachausdruck) auch noch die Luftschutzsirenen ausgelöst werden (alle ab 1990 ersatzlos abgebaut).

Mit der Automatisierung des Konstanzer Fernsprechnetzes und der Inbetriebnahme einer OVstW am 21.05.1955, wurden auch die Notrufnummern 112 (Feuerwehr) und 110 (Polizei) geschaltet. Über die Fernsprechzentrale der Stadtverwaltung im Konstanzer Rathaus konnte ebenfalls die Feuerwehr gerufen werden. Die Rufnummer 2811 war bei der Bevölkerung ein Begriff. Die rund um die Uhr besetzte Vermittlung leitete Notrufmeldungen an Polizei (Lutherplatz), Feuerwehr und die Sanitätswache (damals in der Neugasse 27) weiter.

Das Konstanzer Stromnetz -überwiegend in der Altstadt- wurde bis ca. 1958 teilweise noch mit 220V Gleichstrom versorgt. Zug um Zug wurde die Stadt neu verkabelt, und die Haushalte an 220V/50Hz Wechselstrom abgeschlossen. Ab 1962 konnte daher die alte drahtgebundene Weckerlinie gegen eine neue, auf Induktionssignalbasis arbeitende stille Alarmierung, ausgewechselt werden. Zur Alarmierung wurde auf der Feuerwache per Tastenprogrammierung über eine im E-Werk stationierte Signalmaschine Töne unterschiedlicher Dauer auf das Lichtnetz aufinduktziert, welche die in den Wohnungen in den Netzsteckdosen aufgeschalteten „Alarm-Wecker“ in Gang setzten, die dann ein zweimaliges Läutsignal abgaben.

Dieses Signal konnte bei Bedarf beliebig oft wiederholt werden (über dieses System werden von den Stadtwerken auch andere Dienste gesteuert. z. B. Straßenbeleuchtung, Streudienst u. a. ). Die letzten Alarmwecker dieser Art wurden um das Jahr 1990 bei den Wehrmännern gegen Funkmeldeempfänger, die „Piepser“ für die Jackentasche, ausgetauscht.

b. drahtlos
Ein Feuerwehrmann des zuerst am Einsatzort eingetroffenen Fahrzeuges hatte vor 1961 die Aufgabe, sofort von einem nächst-erreichbaren Fernsprecher aus -und sei es in einer Privatwohnung- eine Rückmeldung über die Brandentwicklung und die ggf. notwendige personelle Verstärkung abzusetzen. 1953 wurde erstmals der Ruf nach einem „Funkwagen“ laut. Der SÜDKURIER bemerkte in einem Artikel die dringende Notwenigkeit eines Feuerwehr-Sprechfunkes, dessen Anschaffung der Kreisrat am 28.09.1960 (endlich) genehmigte.

Mitte Januar 1961 wurde dann bei der FFK der UKW-Sprechfunk (BOS 4m-Band) eingeführt, und die Fahrtzeuge nach und nach damit ausgerüstet. Für die Privatwohnungen bekamen die Zugführer Funkmeldeempfänger. Die ersten Funkgeräte (FuG) lieferte die Firma Bosch. Das Standartgerät ab den späten 60er Jahren war das FuG7b der Firma Telefunken, das vom verbesserten FuG8b abgelöst wurde. Im Zuge der Digitalisierung des Funk- und Fernmeldewesens wurden dann die mündlichen Funkrückmeldungen von den Einsatzstellen durch Bedienen eines kleinen am Fahrzeugfunk angeschlossenen Terminals und Absenden über Funk an einen zentralen Einsatzrechner ersetzt.

c. sonstiges
Ersuchen um Überlandhilfe an die FFK wurden anfänglich über die Dienstleitungen der Bahn, dem „Bahntelegraph“ übermittelt (z.B. am 31.12.1879, 4:30 Uhr aus Allensbach). Die bis 1971 noch politisch selbständigen Vorortgemeinden Litzelstetten, Dingelsdorf, Dettingen und Wallhausen, gehörte mit ihren Freiw. Feuerwehren und den Werksfeuerwehren der Konstanzer Firmen zum „Unterabschnitt des Stadtkreises Konstanz“. Der Konstanzer Kommandant der Feuerwehr war gleichzeitig Kreisbrandmeister dieses Unterabschnittes. Die Feuerwehren der Vororte mussten früher durch einen Signalisten, später mittels handausgelösten Sirenen alarmiert werden.

Verkehrsmäßig wurden diese Orte über nicht ausgebaute Landstraßen mit Post-Omnibussen versorgt. Fernmeldemäßig waren sie mittels Kupferdraht-Freileitungen zunächst noch an das Fernamt Konstanz angeschlossen. Dingelsdorf, Dettingen und Wallhausen kamen später per Erdkabel zum ON Allensbach. Die Wehrmänner der Vororte werden heute per Funk über das „Relais Hohentwiel“ still alarmiert. Das „Relais Hohentwiel“ wurde errichtet, um sog. „Funklöcher“ -das sind Orte, zu denen keine direkte Funkverbindung möglich war- auszufüllen.

Anmerkungen:
Hz Herz = elektrische Schwingung bei Wechselstrombetrieb
BOS Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben
OVstH Ortsvermittlungsstelle/Handbetrieb
OVstW Ortsvermittlungsstelle/Wählbetrieb
FFK Freiwillige Feuerwehr Konstanz
UKW Ultrakurzwelle
ON Ortsnetz


Quellen:
Geschichte der Stadt Konstanz, Stadler Verlag GmbH, Konstanz 1989-1996 Band 6
Das Fernmeldeamt Konstanz, Festschrift zur Einweihung 03.06.1971, OPD Freiburg 1971
Geschichte der Stadt Konstanz, Josef Laible (Laible-Chronik), Verlag Ackermann Konstanz 1986
Feuerwehr-Dienst und -einsatztagebuch, Brandmeister a.D. Werner Burger (privat)
Im Verein mit dem Feuer, Dr. Tobias Engelsing, Verlag Faude 1990
100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Konstanz, Festschrift 1957
125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Konstanz, Festschrift 1982
<Schwarzwälder Bote< vom 23.05.1955
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