Der Mann der Niederlagen führt jetzt die Linke
– und Konstanz schaut höflich weg

Luigi Pantisano ist neuer Co-Vorsitzender der Linken. Dass die Partei ausgerechnet einen Politiker an ihre Spitze stellt, dessen politische Laufbahn vor allem von Niederlagen geprägt ist, sagt viel über ihren Zustand aus. Selbst auf dem Parteitag erhielt Pantisano nur rund 53 Prozent der Stimmen – ein bemerkenswert schwaches Ergebnis für einen Kandidaten ohne Gegenkandidaten. Während Co-Chefin Ines Schwerdtner fast 86 Prozent erreichte, musste sich Pantisano mit einer Zustimmung begnügen, die eher an ein Warnsignal als an einen Aufbruch erinnert.

Besonders bemerkenswert ist dabei Pantisanos Angriff auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Er erklärte Merz zum unbeliebtesten Kanzler. Über die Beliebtheitswerte des CDU-Kanzlers lässt sich streiten. Aber ausgerechnet Luigi Pantisano sollte mit solchen Urteilen vorsichtig sein. Denn wer die Wahl zum Konstanzer Oberbürgermeister verloren hat, bei der Bundestagswahl kein Direktmandat gewinnen konnte und selbst als Parteichef nur mit Mühe eine Mehrheit organisiert, sollte anderen keine Lektionen über Popularität erteilen.

Bemerkenswert ist auch der Umgang in Konstanz mit dem neuen Linken-Chef. Erst vor wenigen Wochen empfing Oberbürgermeister Uli Burchardt, selbst CDU-Mitglied, den Bundestagsabgeordneten demonstrativ im Rathaus. Gestern wiederum nutzte Pantisano seine Wahl zum Co-Vorsitzenden für scharfe Angriffe auf die CDU und erklärte Friedrich Merz zum unbeliebtesten Kanzler. Damit stellt sich die Frage, wie die Konstanzer CDU-Spitze mit einem Politiker umgehen will, der ihre Partei regelmäßig attackiert, während sie ihm gleichzeitig demonstrativ die Tür öffnet.

Und noch eine Frage drängt sich auf: Würde Uli Burchardt mit derselben Selbstverständlichkeit auch einen AfD-Abgeordneten im Konstanzer Rathaus empfangen? Vermutlich wäre die öffentliche Empörung groß und die Abgrenzung eindeutig. Warum also gelten für einen linken Politiker, der die CDU pauschal angreift, offenbar andere Maßstäbe? Wer politische Höflichkeit und Dialogbereitschaft betont, sollte erklären können, wo für ihn die Grenzen verlaufen – und warum diese je nach politischer Richtung unterschiedlich gezogen werden.

Das Bild wird in Konstanz auch durch die lokale Linke geprägt. Mit Holger Reile sitzt ein Vertreter der Partei im Gemeinderat, der in sozialen Medien Andersdenkende immer wieder scharf attackiert und Kritikern Begriffe wie „Verschwörungsparanoia“ oder „intellektueller Notstand“ entgegenhält. Solche Formulierungen mögen Aufmerksamkeit erzeugen, sie tragen aber kaum zu einer offenen Debattenkultur bei. Wer anderen mangelnde Aufklärung oder demokratische Defizite vorhält, sollte selbst einen Maßstab an Fairness und Respekt anlegen.

Auffällig ist dabei eine Parallele zu Luigi Pantisano. Auch der neue Co-Vorsitzende der Linken setzt lieber auf zugespitzte Angriffe und moralische Überlegenheit als auf politische Selbstreflexion. Statt sich mit den Ursachen eigener Wahlniederlagen und schwacher Zustimmungswerte auseinanderzusetzen, werden politische Gegner herabgesetzt und Andersdenkende schnell in problematische Schubladen eingeordnet. So entsteht der Eindruck einer politischen Kultur, die hohe Ansprüche an andere stellt, aber deutlich weniger bereit ist, dieselben Maßstäbe an sich selbst anzulegen.

Fazit

Luigi Pantisano startet als Co-Vorsitzender der Linken nicht mit Rückenwind, sondern mit einem historisch schwachen Ergebnis. Seine politische Bilanz steht in auffälligem Kontrast zu seinem Anspruch, über die Beliebtheit anderer zu urteilen. Statt Selbstkritik dominieren Attacken auf politische Gegner und moralische Überhöhung.

Und Uli Burchardt? Der Konstanzer Oberbürgermeister wirkt zunehmend wie ein Politiker, der Konflikten lieber ausweicht, als klare Kante zu zeigen. Wer sich als CDU-Mitglied ohne erkennbare Distanz mit einem Politiker präsentiert, der die eigene Partei scharf attackiert, darf sich nicht wundern, wenn Fragen nach Haltung und Konsequenz aufkommen.

Gemeinsam mit dem Tonfall, den Teile der Konstanzer Linken pflegen, entsteht ein Bild, das wenig mit dem oft beschworenen Ideal des respektvollen demokratischen Diskurses zu tun hat. Der eine wird trotz schwacher Wahlergebnisse zum Parteichef befördert, der andere verliert als Oberbürgermeister zunehmend an politischer Kontur, während lokale Parteifreunde Kritiker lieber belehren als überzeugen. Das mag innerhalb der eigenen Blase Beifall finden. Für eine lebendige demokratische Streitkultur ist es jedoch ein Armutszeugnis.

Angesagt


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