
Facebook hat sich also „verändert“. Aus dem einstigen Paradies des „wohlwollenden Austauschs“ ist plötzlich ein dunkler, gefährlicher Ort geworden, an dem – man halte sich fest – unangenehme Meinungen vorkommen. Der Horror!
Statt sich dieser barbarischen Realität zu stellen, macht ihr das, was jede selbstbewusste Verwaltung in solch einer existenziellen Krise tut: Ihr packt eure Sachen und flüchtet. Nicht etwa, weil ihr nichts mehr zu sagen hättet. Nein. Sondern weil der „Moderationsaufwand“ zu hoch geworden ist.
Übersetzt für Normalsterbliche: Es ist euch einfach zu lästig, euch mit Bürgern auseinanderzusetzen, die nicht nur „Danke für die tolle Info!“ unter jedes Posting schreiben. Kritische Nachfragen? Sachliche Einwände? Andere Sichtweisen?
Zu anstrengend. Zu nervig. Zu… undemokratisch.
Deshalb der elegante Abgang: „Der Dialog geht weiter – nur woanders.“
Genial. Woanders, das heißt natürlich auf Kanälen, wo ihr die Hoheit über die Kommentare behaltet, wo unliebsame Beiträge schneller verschwinden als ein Parkplatz in der Innenstadt und wo der Algorithmus euch vor allem den eigenen Fans vor die Nase hält. Instagram und WhatsApp – die sicheren Räume der modernen Lokalpolitik. Endlich wieder kuschelig.
Besonders rührend ist der Abschiedsgruß an die „stillen Mitleserinnen und Mitleser“ und die „sachlichen Stimmen“.
Also genau an die, die schön brav mitgelesen und nie widersprochen haben. Die echten Störenfriede, die tatsächlich etwas zu sagen hatten, die dürfen jetzt gerne draußen bleiben. Man will ja schließlich keinen Stress.
Das ist keine „Neuausrichtung der Social-Media-Kommunikation“.
Das ist ein offizielles Eingeständnis: Wir können mit freier, ungeschönter Meinungsäußerung nicht umgehen – also schalten wir sie ab.
Respekt. So viel intellektuelle Redlichkeit sieht man selten.
Weiterhin viel Erfolg auf euren neuen, kritikresistenten Kanälen.
Dort, wo der Dialog endlich wieder so konstruktiv ist, wie er sein soll: einseitig, kontrolliert und vor allem – angenehm leise.
Man sieht sich.
Oder auch nicht. Je nachdem, wie laut man fragt.









