


Vortrag von Dr. Martin Windisch, Universität Stuttgart
Kein anderer Schauplatz rund um den Bodensee wäre geeigneter für ein Nachdenken über den Macbeth’schen Königsmord als das ehrwürdige Gemäuer der Meersburg.
Es erwartet Sie nicht nur ein unterhaltsamer Vortrag über Heiner Müllers Macbeth nach Shakespeare und die Inszenierung des Stückes am Theater Konstanz unter der Regie von Abdullah Maria Karaca.
Die Burgherrin, Frau Julia Naessl-Doms, wird uns persönlich durch die Meersburg führen, wir werden u.a. die Waffenhalle, die Folterkammer und das Verlies besuchen und damit in jene mittelalterliche Welt eintauchen, die für Shakespeares schottische Tragödie so prägend ist.
Der dunkelste, meist todgeweihte Raum einer Burg, das Verlies, kommt in Shakespeares Macbeth nicht vor, aber Roman Polanski hat es 1971 in seiner berühmten Macbeth-Verfilmung sehr prominent gesetzt. Heiner Müllers Fassung stammt aus demselben Jahr, die Uraufführung war am 11. März 1972 am Brandenburger Theater.
Wenn Müller alles noch dunkler macht als Shakespeare, noch mehr Gewalt und Schrecken auf die Bühne bringt, dann ist es geradewegs als werde der gesamte Theaterraum zu einem Verlies. Dadurch wird das Morden im Stück zum alltagsweltlichen und alltäglichen Horror.
Shakespeare hatte dem Macbeth’schen Königsmord apokalyptische Dimensionen gegeben, da er ihn am frühneuzeitlichen Gottesgnadentum maß. Heiner Müller erachtete Shakespeares Glauben an jenes Gottesgnadentum als frühneuzeitliche “Ideologie”, da – so Müller – “fast jeder zweite König … durch Ermordung seines Vorgängers auf den Thron” gekommen sei.
Bei Müller werden auch die Bauern und Bediensteten Opfer im Strudel der Gewalt. So schneidet Macduff dem Diener die Zunge heraus, der Macduffs Sprachbild von der Ermordung Duncans nicht versteht und bekundet, der König sei der König. “Und / Ists der nicht ists ein anderer. Der oder der.”
Dem Vorwurf der Obszönität der sprachlichen und darstellerischen Gewalt auf der Bühne begegnete Heiner Müller mit den Worten:
“Ich glaube, das war gerade das Gegenteil von Obszönität, nämlich der Hinweis, es geht nur um Zeichen. Das Triviale daran hat auch etwas Befreiendes, glaube ich. Man ist nicht dem wirklichen Horror ausgesetzt, sondern man wird eher in das Nachdenken über den Horror gezwungen. Das zu erreichen war jedenfalls meine Absicht.”
Wir sind sehr gespannt, wie Abdullah Maria Karacas Konstanzer Inszenierung, die am 30. Januar Premiere feiert, mit Heiner Müllers Macbeth verfährt. Freuen Sie sich auf unsere Veranstaltung Mord auf der Burg
Eintritt:
Für IBC-Mitglieder 5 €
Nicht-Mitglieder 10 €
14/02/26, 15 Uhr (oder früher)
Treffpunkt: Burg Café in der Burg Meersburg – Gelegenheit für einen Kaffee und Kuchen
15:30 Uhr Führung durch die Waffenhalle, das Verlies und die Folterkammer
von der Burgherrin Frau Julia Naessl-Doms
16:00 – 17:00 Uhr
zurück im Burg Cafe – Nebenraum
Vortrag von Dr. Martin Windisch, Universität Stuttgart:
“Mord auf der Burg: Zu Heiner Müllers Macbeth nach Shakespeare”
Eine Veranstaltung des Internationalen Bodensee Clubs (IBC)









