von Friedrich Kratzer

. . . . mit diesem Titel organisierte das Rosgartenmuseum eine mehr oder weniger aufwendige Ausstellung im Kulturzentrum am Münsterplatz.
Nach einschlägigen Quellen wurde die Fastnacht in Konstanz und Umgebung schon immer Fasnacht oder Fasnet genannt, selbst in der österreichischen Epoche 1548-1806 war nie vom Fasching die Rede. Auch nicht als sich die „Elefanten A.G., 1. Konstanzer Karnevalsgesellschaft“ nannte. Die hätten ja am ehesten Alaaf rufen müssen.
Aus der von Chronist Joseph Laible im Juli 1896, im Verlag Ernst Ackermann (Großherzoglicher Hofbuchhändler) erschienenen Geschichte der Stadt Konstanz, ist auf Seite 261 folgender Abschnitt zu lesen:
<<Noch ist aus alten Tagen die fröhliche Fastnacht übrig geblieben, wo man 3 Tage lang sich vermummt, Ritter-, Türken-, Kriegerkostüme anzieht, historische Persönlichkeiten, Bletzlibuben und Hansele darstellt, sich unerkannt neckt, maskierte Umzüge veranstaltet, Maskenbälle besucht und hinter auffallenden „Narren“ die Buben herlaufen und schauderhafte Reime im Dialekte und im Chor nachschreien, z. B. :
„Narro, Narro, siebosie, siebo, siebo Narro gsi, o Narro! Hoscht der Muetter Küechli gschtohle, gimmer au, Haberstrau, Surkrut, füllt de Buebe d`Huut us und de Mädli d`Mäge und de alte Wiber Pelzkräge“, oder „Narro, Narro Gigeboge, was due sescht ist alls verloge, Narro, Narro Lenzio!“ Das jetzige „Hoorig, hoorig . . . .“ ist importiert. Am Aschermittwoch geht man dann aufs Land, ißt Schnecken und Küchle, trinkt brav dazu, aber meist ohne Tanz. Während der Reformation von 1529 bis 1549 gab es keine Fastnacht mehr.>>
In seiner 1921 erschienenen Zweitauflage der Geschichte der Stadt Konstanz, wurde der Artikel noch mit folgenden Abschnitt ergänzt:
<<Am Donnerstag vor Fastnacht, dem sogenannten schmutzigen Dunnstig, veranlassten die Knaben der verschiedenen Lehranstalten den Hemdglonkerumzug. Nach eingebrochener Dunkelheit versammelten sich die Schüler an bestimmten Plätzen, jeder mit einem langen Nachthemd und Zipfelmütze angetan und ziehen dann unter höllischem Spektakel, vorgeführt durch Klappern, mit altem Kochgeschirr, Topfdeckel und anderen nützlichen und unnützlichen Radauinstrumenten durch die Straßen, führen häufig Transparente mit Spottbildern, um Spott mit einzuheimsen. Sie halten vor dem Hause der Lehrer und Professoren Ansprachen, in welchen die selben ein Lob oder Tadel je nach ihrer Ansicht bekommen. Trotz des ungezügelten Lärmes kamen Ausschreitungen noch nie vor, weshalb diese Umzüge von den Behörden und Vorstehern der Lehranstalten geduldet, von der Einwohnerschaft stets mit Freuden erwartet werden. Während des Weltkrieges fanden keine Faschingsvergnügen, auch diese Umzüge, sowie diejenigen der „Elefanten“ und „Niederburger“ (beides Faschingsgesellschaften) nicht mehr statt.>>
Wohl aus einem Modeeinfluss heraus benutzt Joseph Laible hier den Begriff „Fasching“, obwohl dieser Begriff im Sachregister seiner Chronik unerwähnt bleibt, und die „Elefanten“ und „Niederburger“ Karnevalsgesellschaften rheinländischen Vorbilds sind. Mit der zunehmenden Zuwanderung von Nicht-Alemannen und Studenten in den 1950er konnte man dann auch im Südkurier Inserate von deren „Faschingsfeten“ lesen. Mit dem Anwachsen der 1924 gegründeten Vereinigung schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. (VSAN) sind beide Begriffe Karneval und Fasching in deren Einzugbereich -selbst im Bayrischen Lindau- verschwunden. Das Wort „Fasnet“ breitet sich auch weiter ins Bayrische aus, deren maskentragenden Zünfte sich – z.B. in Memmingen oder Neresheim- sich mit „Narri-Narro“ begrüßen.
Quellen:
Joseph Laible Geschichte der Stadt Konstanz Verlag Ernst Ackermann 1896 u. 1921
Calin Mayer Konstanzer Lausbuben-Geschichten Verlag Stadler 1987, ISBN 3-7977-0169-1




