Ein kritischer Blick: Wie „normal“ ist Pantisanos finanzielles Leben wirklich?

von Gordon Hügel

Luigi Pantisano präsentiert sich als Abgeordneter, der bescheiden lebt. Er betont, dass er sich selbst nur 2850 Euro Nettogehalt auszahlt – und damit angeblich „wie viele andere auch“ lebt. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt: Der Vergleich hinkt.

Denn obwohl er sein offizielles Einkommen stark reduziert, verfügt seine Familie monatlich über rund 4200 Euro, wenn man seinen eigenen Auszahlungsbetrag und die zusätzlich überwiesenen 1200 Euro berücksichtigt. Hinzu kommen Familien- und Haushaltskosten, die über ein sicheres, planbares Abgeordnetenmandat gedeckt werden – einschließlich vollständig finanzierter Reisekosten und einer steuerfreien Pauschale für Wohnung und Büros, für die andere Menschen Miete und Arbeitsmittel aus dem eigenen Einkommen bezahlen müssen.

Nach allen Abzügen bleiben Pantisano zudem gut 3000 Euro im Monat übrig, die er für soziale Zwecke zur Seite legt. Das ist ehrenwert – aber es zeigt auch, wie weit seine finanzielle Ausgangslage von der Lebensrealität der meisten Beschäftigten entfernt ist. Nur wer über ein derart hohes Gesamteinkommen verfügt, kann sich hohe Spenden und Abgaben leisten, ohne den eigenen Lebensstandard zu gefährden.

Während Pantisano also insgesamt auf über 7000 Euro monatliche Gesamtmittel zugreifen kann (inkl. Familiensumme und Sozialfonds), kämpfen viele Vollzeitbeschäftigte damit, überhaupt über die Runden zu kommen.

Ein kurzer Vergleich verdeutlicht das:

Vier Beispielberufe und wie viel weniger sie haben

1. Einzelhandelskauffrau

  • Durchschnittsnetto: ca. 1.700 €
  • Unterschied zu Pantisano (allein sein „selbst ausgezahlter“ Betrag von 2.850 €):
    –1.150 € weniger

2. Erzieherin

  • Durchschnittsnetto: ca. 2.100 €
  • Unterschied zu Pantisano:
    –750 € weniger

3. Krankenpfleger

  • Durchschnittsnetto: ca. 2.300 €
  • Unterschied zu Pantisano:
    –550 € weniger

4. Facharbeiter im Handwerk

  • Durchschnittsnetto: ca. 2.300–2.500 €
  • Unterschied zu Pantisano:
    –350 bis –550 € weniger

Fazit

Es ist gut und richtig, wenn ein Abgeordneter einen Teil seines Einkommens spendet oder an Bedürftige weitergibt. Das verdient Respekt. Doch gleichzeitig ist es irreführend, so zu tun, als würde man auf dem finanziellen Niveau „normaler Familien“ leben.

Die Realität ist:

  • Pantisano verfügt über eine finanziell äußerst stabile und privilegierte Gesamtsituation.
  • Seine Familie hat monatlich mehr als die meisten Arbeitnehmerhaushalte, selbst nachdem er sein Gehalt „gedeckelt“ hat.
  • Und nur wegen dieses hohen Einkommens kann er überhaupt mehrere tausend Euro spenden, ohne auf etwas verzichten zu müssen.

Sein Verhalten mag gut gemeint sein – doch als Beispiel für alltägliche Lebensrealität taugt es nicht.

Manchmal verliert eine gute Tat ihren Wert, wenn man zu laut darüber spricht. Wer Hilfe öffentlich inszeniert, riskiert, dass der Eindruck entsteht, es gehe weniger um die Bedürftigen und mehr um das eigene Image. Echte Solidarität braucht keine Bühne. Sie wirkt stärker, wenn sie leise bleibt – ohne Selbstdarstellung, ohne moralische Überhöhung. Denn sonst bekommt selbst das gut Gemeinte einen faden Beigeschmack.

Angesagt