von Boris Palmer

Marie-Chtistine Ostermann kenne und schätze ich schon sehr lange. Ich hatte auch einmal die Freude, sie durch Tübingen zu führen. Ich weiß, dass sie klug und verantwortungsvoll handelt. Auch deshalb unterstütze ich die aktuellen Aussagen von Marie-Christine Ostermann. Eine demokratische Gesellschaft kann nicht dauerhaft in ritualisierte Empörung flüchten. Boykottaufrufe gegen dm oder das Kündigen von Veranstaltungsräumen lösen keine Probleme. Sie vertiefen nur die Gräben. Und sie ignorieren, dass Familienunternehmer Verantwortung für Hunderttausende Beschäftigte tragen.
Diese Unternehmen bestehen aus Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Haltungen – und ja, ein ziemlich großer Teil von ihnen wählt AfD. Das ist keine Sympathie für die AfD, sondern eine Realität, die man nicht einfach aus der Welt moralisieren kann. Familienunternehmer müssen mit den gewählten Abgeordneten sprechen, die ihre Mitarbeitenden in die Parlamente geschickt haben – auch wenn man deren Positionen entschieden ablehnt. Ostermann und Werner haben auch ganz klar gemacht, dass Sie die Politik der AfD ablehnen. Das muss reichen. Wer den Dialog verweigert, stellt sich nicht nur über den demokratischen Prozess, sondern auch über die eigene Belegschaft.
Und wenn man die AfD wirklich ausgrenzen will, gibt es dafür nur einen rechtsstaatlichen Weg: Vor das Bundesverfassungsgericht gehen und prüfen lassen, ob sie verfassungsfeindlich ist. Wenn das zutrifft, kann sie verboten werden.
Alles andere ist moralische Selbstgerechtigkeit, mutlos – und stärkt die AfD eher, als dass es ihr schadet.
Deshalb ist es richtig, wenn Familienunternehmer sagen:
Wir reden – kritisch, klar in der Sache und ohne jede Nähe zur AfD –, aber wir schließen niemanden aus, den unsere eigenen Mitarbeitenden demokratisch gewählt haben.
So funktioniert politische Auseinandersetzung.
Nicht über Beschämung, sondern über eine erwachsene demokratische Kultur.




