von Claus-Dieter Hirt
Zwei Monate vor 90. Geburtstag verstarb am 19.11.2025 der Kosmopolit, Buchautor, Freigeist und Frisör Dieter Böttcher. Dieter war eine glitzernde Konstanzer Legende, stets begleitet von Penelope, dem mittlerweile 7. Hund von ihm und seinem damaligen Partner, Hans -Werner.
Der Untertitel des zweiten Buchs von Dieter Böttcher (DIETER !), lautete zurecht: No Comment No Compliment No Compromise und beschrieb zutreffend sein außergewöhnliches Leben.
Der 1936 in Harlem, Holland, Geborene erlernte in der von ihm als Ostzone bezeichneten damaligen DDR seinen Traumberuf Frisör und erwarb dort zahlreiche Ehrenurkunden und Sonderpreise. Sein Ziel, einen eigenen Salon zu eröffnen, erreichte er mit 23 Jahren als damals jüngster Meister in Deutschland. 1963 eröffnete er seinen Coiffeur Madame in der Steinstraße in Konstanz, der über 6 Jahrzehnte, bis zu seinem Tod (zuletzt nur noch für Freunde und Bekannte) geöffnet war. Wie Dieter selbst schrieb, wurde der Laden mit dieser Firmierung der Renner bei der damaligen Besatzungsmacht in Konstanz (1945 bis 1978), den Franzosen, denn er befand sich in unmittelbarer Nähe des „französischen Quartiers“. 75 % seiner Kundinnen und Kunden waren Französinnen und Franzosen. Die Öffnungszeiten des Geschäfts orientierten sich an den Abendveranstaltungen der Franzosen. Auch die Hälfte des Personals waren Franzosen. Die Damen der französischen Offiziere kamen, wenngleich sie nur fünf Gehminuten von dem Coiffeur entfernt wohnten, mit Chauffeur vorgefahren, der wiederum vor dem Geschäft warten musste, bis die Madame fertig war. Die exklusive Atmosphäre ist bis heute an dem prunkvollen Flügel und den zahlreichen Teppichen in dem Coiffeur spürbar.
Alters- und krankheitsbedingt musste Dieter Böttcher seine öffentlichen Präsentationen in den letzten Jahren einstellen. Sein letzter Auftritt vor Publikum fand Ende 2019 im Clubheim der Deutsch-Französischen Vereinigung (DFV) statt, in der Jahrzehnte Mitglied war. Aus einem schier unendlich scheinenden Fundus palaverte Dieter Böttcher über Geschichte und Geschichten; redete über Donald Trump, Michail Gorbatschow, Ronald Reagan, Bill Clinton und Lieschen Müller. Immer mit dem Schlusswort und der Aufforderung an seine Zuhörer, die ihnen noch verbleibende Lebenszeit nicht zu vergeuden und sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen.
Dieter Böttcher selbst hat dies immer so gehandhabt, war gradlinig, unverblümt und stets optimistisch lachend. Selbst in den letzten Monaten seines Lebens. So wollen wir ihn in Erinnerung behalten.






