„Ihr seid wahre Freunde“ – Sondersammlung: Hochwasserhilfe für Landsleute im Osten

von Ulrike Raich

Nach Tagen höchster Anspannung in den vom Unwetter und Hochwasser heimgesuchten Regionen Österreichs, der Tschechischen Republik und Polens wurde Mitte September das Ausmaß der Zerstörungen sichtbar. Europaweit kamen mindestens 23 Menschen zu Tode. Die Schäden, die das Starkregenereignis anrichtete, sind noch nicht bezifferbar, aber ersten Schätzungen zufolge dürften die Kosten zwischen mehreren Hundert Millionen und mehr als einer Milliarde Euro liegen.

Foto: ÖLM

„Schlimmer als 1997“ 

Betroffen sich auch viele unserer Landsleute in Mähren und Schlesien. „Nach 1997 haben wir wieder eine Flutkatastrophe in Niederschlesien und viele unserer Mitglieder sind betroffen. Man weiß kaum, wo wir mit der Hilfe beginnen sollen“, schreibt uns Horst Ulbrich, der Vorsitzende des „Deutschen Freundschaftskreises“ in Glatz in Niederschlesien. Die Flut, die nach dem Starkregen im September Mittel- und Mittelosteuropa heimsuchte, riss zwei Brücken in der alten Grafschaft, die fast 230 Jahre zu Österreich gehörte, weg. Auch ein Staudamm ist gebrochen, die Unterstadt steht mit 7,4 Meter unter Wasser, fast ein Meter mehr als 1997.

Von den Fluten erfasst wurde auch das Haus von Karoline und Michael W., die mit ihren beiden Volksschulkindern in Ullersdorf (Oldrzychowice), 9 km südöstlich von Glatz, leben. „Sie hatten mit Kredit eine Eigentumswohnung gekauft, und wohnen nun in einem Zimmer wieder bei den Eltern in der Stadt. Sofort musste der Schlamm aus der Wohnung, bevor dieser hart wird und dann kaum zu entfernen ist. Es wird lange dauern, bis die Wohnung trocken und wieder in einem bewohnbaren Zustand ist. Dazu haben wir wenigstens einen Stromgenerator und Gasheizung besorgen können“, berichtet Herr Ulbrich. Außerdem wurden sofort Schaufeln, Scheibtruhe, Taschenlampen sowie Campingkocher und Power Banks angeschafft, um endlich wieder telefonieren zu können. 

Das Vereinsbudget ist damit ordentlich überlastet. Doch in der Not hält man zusammen und hilft, so gut es möglich ist. „Mehr als 20 Männer unserer Mitglieder sind im täglichem Einsatz, den anderen zu helfen, und es ist eine tolle Solidarität zu sehen.“ Aber die Tragödie lässt sich erst langsam erfassen. „Schwer Betroffene haben nichts mehr, nur das, was sie auf dem Leib tragen“, erzählt Ulbrich. „Unterwäsche, Handtücher, Hygieneartikel u.s.w. sind sofort nötig und auch hier helfen wir, soweit wir können. Natürlich bitten wir immer wieder um Spenden, damit weiter geholfen werden kann.“

Großeltern und Onkel stehen vor dem Nichts

Auch bei Zuzanna Herud, die im Juni 2023 im Schulvereinshaus über ihre Arbeit als stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit in Polen gesprochen und viel Applaus und Sympathie für ihre wichtige Arbeit zur Erhaltung der deutschen Identität und Sprache in Schlesien geerntet hatte, hat die Flut alles durcheinandergeworfen: „Meine Oma, zusammen mit Tante und Onkel haben jetzt kein Zuhause und werden fürs erste bei uns wohnen.“ Denn das Wasser stand mehr als einen Meter hoch im Haus der Senioren und flutete das Haus. Die betagten Schlesier stehen vor dem nichts; sie konnten kaum etwas retten. 

„Einen Onkel von mir und Brigida W. mit Mann und kleinen Kindern hat es fürchterlich erwischt“, berichtet Zuzanna. Sie haben ihre Häuser verloren, alles kaputt. Und weiter: „Brigida war auch stark für die deutsche Minderheit tätig. Es ist einfach tragisch, was passiert ist und wir danken alle für jegliche Hilfe!“ 

Halbes Haus weggespült

Aber noch viel schlimmer hat es Hana F. aus Thomasdorf bei Freiwaldau im Sudetenland getroffen. Sie ist Mitglied im Verband der Deutschen Nordmähren – Adlergebirge (VdD) in der Nähe von Mährisch Schönberg. Von heute auf morgen hatte sie kein Dach mehr über dem Kopf, denn die Flut hat das halbe Haus mitgerissen, das Wasser spülte alles, was sich im Haus befand, weg. Nichts mehr ist da, kein Sessel, keine Lampe, kein Erinnerungsstück. Alles weg. 

Helfen Sie uns helfen!

Dank Ihrer Spenden war es uns, der Österreichischen Landsmannschaft, möglich, sofort einen Hilfsbeitrag zu überweisen: unbürokratisch und schnell und direkt an die Betroffenen. Denn schnelle Hilfe ist in diesem Falle doppelte Hilfe. Zuzanna Herud meldete sich gleich: „Ich danke Euch ganz herzlich, Ihr seid wahre Freunde.“ Wir können unseren Landsleuten in Mähren und Schlesien den Schaden nicht ersetzen und das Geschehene nicht vergessen machen, aber wir wollen ihnen zeigen, dass das Mutterland sie nicht vergessen hat. Daher bitten wir Sie aus aktuellem Anlass und außertourlich um Spenden! Bitte helfen Sie uns helfen! Wir versichern Ihnen, dass jeder gespendete Euro vollumfänglich bei den Geschädigten ankommt, direkt und sofort. Als Zeichen aus dem Mutterland.

www.oelm.at 

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