La Grande Motte-eine Stadt ohne Vergangenheit?

von Dorothea Wuttke

Noch 136 Tage trennen uns vom „schmutzigen Donnerstag“ 2026. „Unser Konstanz“ startet mit einem ungewöhnlichen Auftakt über eine französische Stadt, in der auch Karneval gefeiert wird.

La Grande Motte ist eine grüne Oase im Herzen der kleinen Camargue mit 385 Hektar Grünanlagen, mehr als 28 000 Bäumen, 115 Hektar Rasen und  Hecken,  durchzogen von über 20 km Gehwegen. Die Stadt liegt im Departement Hérault am Golfe du Lion rund 25 km von Montpellier entfernt in der Region des Longuedoc-Roussillon. Außerhalb der Saison hat die Stadt ca 8000 Einwohner mit Hauptwohnsitz, während der Saison wohnen über 120 000 Menschen  dort.

 Ein paar historische Daten: 1962 beschließen General de Gaulle und  die Regierung unter Georges Pompidou die Küste des Longuedoc für den Tourismus zu erschließen, ein Landstrich, der bisher altes nicht sehr ertragreiches Weinbaugebiet und Sumpfgebiet war. Im Juni 1963 ist der Bebauungsplan erstellt und  die Planung der Stadt wird Jean Balladur, einem Schüler von Corbusier anvertraut. 1964 wird eine  Gesellschaft zur Raumplanung des Departements Hérault  mit Jean Bene als Präsident gegründet. In den folgenden Jahren waren fast 6,5 Millionen Kubikmeter Erdreich nötig, um die Schnell – und Zufahrtsstraßen  und die Stadt selber zu bauen. Die natürliche Höhe des Bodens wurde um zwei Meter angehoben.  Am 19. Mai 1967 erfolgte die Grundsteinlegung im Stadtteil Point Zero auf Meeresspiegelhöhe. Im Jahre 1968 entstanden die ersten Pyramiden um das Hafenbecken. 

Balladur hat nach eingehenden Studien über die Winde vor Ort sich für einen Baustil in Pyramidenform entschieden, weil sich diese Form natürlich in die Landschaft des Meeres und der Dünen einfügt. Die Stadt hat für entdeckungswillige Touristen einen Führer herausgegeben, der auf einem fünf Kilometer langen Spaziergang begleitet. Auf der Strecke gibt es zwanzig Aufenthalte, die der Symbolik der Architektur der Stadt, ihren Bäumen und den seltenen Pflanzen gewidmet ist. Besonders zu nennen sind das Rathaus als Ausdruck der zeitlichen Macht, die St. Augustin Kirche als geistliche Macht, das Kulturzentrum als Macht des Volkes, die Fußgängerbrücke  St Jean  als Symbol für Astronomie und Kosmos; die Schwarzpappel, die für das Alte steht und letztlich die große Pyramide im Hafen, deren Westseite an die runden Pyramiden des westlichen Stadtteils „Le Couchont“  (Venusmuscheln) erinnert und somit die  weibliche Seite der Stadt repräsentiert und deren Ostseite an die geradlinigen Pyramiden vom Stadtzentrum bis zum  Stadtviertel „Le Levant“ erinnert und für die männliche Seite der Stadt steht. Letztlich will ich noch den Point Zero, mit der großen Düne erwähnen, die der Stadt den Namen gegeben hat. Um es mit den Worten des Bürgermeisters der Stadt  auszudrücken: La Grande Motte muss man sich aneignen. Man muss die Stadt verdienen.  

Auch Karneval  feiert La Grande Motte. Die Aktivitäten stehen dem Konstanzer Fasnetstreiben in nichts nach.- 

La Grande Motte- eine Stadt ohne Geschichte? – Stimmt nicht ganz! 

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