Vom Deutschen Schulverein zur Österreichischen Landsmannschaft:

Seit 150 Jahre für unsere Landsleute tätig

von Ulrike Raich

1872 beschrieb ein Hilfspriester aus dem südlichen Zipfel Tirols die schwierige Lage der Kinder in der Gemeinde Proveis am Deutschnonsberg. Das Dorf besaß damals noch keine eigene Schule und die Südtiroler Kinder mussten in die nächstgelegene, im italienischen Siedlungsgebiet Tirols liegende Schule gehen. Aus kleinen Tirolern wurden dort ganz zwangsläufig kleine Italiener geformt.

Vom Kummer der Tiroler erfuhr der sozialdemokratische Reichsratsabgeordnete Engelbert Pernerstorfer. Gemeinsam mit seinem CO-Gründer der SPÖ, Victor Adler, mit Otto Steinwender u.a. gründete er 1880 den sogenannten „Deutschen Schulverein“, einen privaten Verein zur Sammlung von Spenden mit dem Ziel, die deutsche Sprache und Kultur dort zu erhalten und fördern, wo sie in der damaligen Monarchie bedroht war. 

Die Idee eroberte Wien im Sturm. Wenige Wochen später hatte der Deutsche Schulverein bereits 13.000 Mitglieder, die so viel gespendet hatten, dass nicht nur im tirolerischen Proveis eine Schule, sondern fünf weitere gebaut und eingerichtet werden konnten, in der Steiermark, in Schlesien, Nordböhmen und Mähren. Wesentlichstes Vereinsziel war und ist es bis heute, durch Unterricht in der Muttersprache die – Zitat – „Kinder vor dem Verlust ihres Volkstums zu schützen“, wie Bundespräsident Rudolf Kirchschläger bei der 100-Jahr-Feier der Österreichischen Landsmannschaft erklärte. 

Die Zahl der Schulvereinsmitglieder wuchs nach der Gründung immer weiter. Nach zehn Jahren waren es fast 100.000 Mitglieder, die dem Verein Rückhalt gaben, darunter bekannte Persönlichkeiten wie der Komponist Johannes Brahms, die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, der Walzerkönig Johann Strauß, der spätere Bundespräsident Michael Hainisch, der Wiener Bürgermeister Karl Lueger und vor allem der Dichter Peter Rosegger.

Bis 1914 hatte der Deutsche Schulverein mehr als 150 eigene Bauten für Schulen und Kindergärten errichtet und mehr als 400 Bauunterstützungen gewährt, 80 Lehrer und 100 Kindergärtnerinnen standen in seinem Dienst. Die Gemeinde Wien stellte im Jahr 1913 ein Grundstück im 8. Bezirk zur Verfügung, auf dem mit einer Spende ein eigenes Vereinshaus gebaut werden konnte – das bis heute dem Vereinszweck dient, das bekannte, große und schöne Schulvereinshaus. 

Nach dem Zusammenbruch im Jahr 1945 dauerte es einige Jahre, bis sich in Österreich wieder halbwegs normale wirtschaftliche und politische Verhältnisse einstellten. 1952 war es endlich so weit, dass die Österreichische Landsmannschaft als Nachfolgerin des Deutschen Schulvereins – die Behörden und Alliierten verboten den alten Namen – gegründet werden konnte. Sie stellte sich als Gemeinschaft der nicht heimatvertriebenen Österreicher damals vor allem in den Dienst der Heimatverbliebenen. Bis heute unterstützt die Österreichische Landsmannschaft unsere Landsleute jenseits unserer Staatsgrenzen, vor allem in den Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie.

Aber nicht nur dort: Denn ohne Rückhalt im eigenen Land, ohne dortiges Bewusstsein für die eigenen Landsleute, für die eigene Kultur kann diese große Arbeit nicht gelingen. Daher bringt die Österreichische Landsmannschaft seit mehr als 70 Jahren die Zeitschrift „Der Eckart“ heraus und seit fast ebenso vielen Jahren die Eckartschriften. Mit einem Abo der Zeitschrift oder der populärwissenschaftlichen Publikationsreihe schöpfen Sie nicht nur Freude für sich selbst, sondern helfen der Arbeit für unsere Landsleute. Einen Einblick in den „Eckart“ bekommen Sie hier: https://dereckart.at/

Erfahren Sie mehr über die Geschichte und die Tätigkeiten der Österreichischen Landsmannschaft: https://www.oelm.at/ Und helfen Sie helfen! Mit Ihrer Spende etwa für den Deutschunterricht in Glatz in Niederschlesien.

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