Interview mit Bernhard Hertrich

Die letzte Bank mit Hauptsitz in Konstanz, die Volksbank Konstanz eG steht unter Druck: Immobilienkredite für minderwertige Immobilien in deren Folge ein gewaltiger finanzieller Schaden entstand. Fragwürdige Vermittler, die Freistellung einer der beiden Vorstände durch den Aufsichtsrat und die Minimierung der Dividende sind nur sichtbare Teil. Das einstige Vorzeigeunternehmen mit gesellschaftlicher Vernetzung in Rat und Politik gerät ins Wanken. „Unser Konstanz“ (Claus-Dieter Hirt) sprach mit dem Finanzexperten Bernhard Hertrich.
Fragen an Bernhard Hertrich:
1. Auf der Vertreterversammlung der Volksbank Konstanz Radolfzell Steißlingen eG am 14. Juli 2025 soll grünes Licht für die Fusion mit der Volksbank Bodensee Oberschwaben eG gegeben werden. Ist das alternativlos, oder wäre auch eine andere Fusion denkbar und ist es taktisch klug, den Vertretern nur eine Option zur Abstimmung zu geben?
Antwort:
Ich wurde 1990 in den Aufsichtsrat der damaligen Volksbank Singen gewählt. Im Jahr 2012 war ich Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Hegau (Singen-Engen). Auf Anregung der damaligen Vorstände Herrn Daniel Hirt und Herrn Roland Striebel sind wir in Fusionsgespräche eingetreten. Hierzu haben wir an alle drei benachbarten Volksbanken einen Fragekatalog geschickt. Nach Eingang der Antworten haben wir dann aus diesen drei Antworten ausgewählt.
Insoweit ist für mich nicht nachvollziehbar, warum offensichtlich nur eine Fusion mit der Volksbank Bodensee Oberschwaben eG angestrebt werden soll. Dies u.a. auch deshalb, weil die Volksbank – Gestalterbank (Villingen-Offenburg) ja direkt an das Gebiet der Volksbank Konstanz grenzt. Im Bereich Hilzingen gibt es sogar Überschneidungen.
2. Die Volksbank Konstanz hat eine Bilanzsumme von 1,644 Milliarden € mit ca. 200 Mitarbeitenden. Die Bilanzsumme der Volksbank Bodensee-Oberschwaben ist dreifach so hoch und hat doppelt so viele Mitarbeiter/innen. Schon durch die Fusion der Sparkasse Konstanz mit der Sparkasse Friedrichshafen 2002, die zwar offiziell auf gleiche Augenhöhe verlief, verlor Konstanz an Zentralität und Einfluss. Droht dies mit der anstehenden Fusion mit der anderen Seeseite ein zweites Mal, denn entgegen allen Behauptungen: der See trennt, er verbindet nicht.
Antwort:
Die Befürchtung teile ich in vollem Umfange. Die Volksbank Bodensee-Oberschwaben grenzt ja nicht direkt an das Gebiet der Volksbank Konstanz. Ich teile Ihre Befürchtung, dass es eine ähnliche Entwicklung geben wird wie bei der Fusion der Sparkasse Konstanz und der Sparkasse Friedrichshafen.
Jedes Mal, wenn ich in Konstanz an der Marktstätte bin, beelendet mich zu sehen, was aus der starken Sparkasse Konstanz geworden ist, eine offensichtlich mehr oder minder unbedeutende Zweigstelle.
3. Gab es informelle Gespräche zwischen der Volksbank – Gestalterbank (Villingen-Offenburg) und den Kollegen in Konstanz über das künftige Vorgehen? Wie beurteilen Sie das aktuelle Geschehen in der Konstanzer Nachbarschaft?
Antwort:
Seitens der Volksbank – Gestalterbank gab es intensive Bemühungen um Gespräche. Leider wurden diese nach meinen Informationen abgeblockt. Es soll angeblich einen schon länger bestehenden Beschluss des Aufsichtsrats geben, nur mit der Volksbank Bodensee Oberschwaben eG zu verhandeln und die Fusion einzugehen.
Dies bedauere ich sehr. Bei einer Fusion mit der Volksbank – Gestalterbank würde im Landkreis Konstanz mit Singen, Steißlingen, Radolfzell und Konstanz ein starkes Stück Volksbank entstehen. Unsere Volksbank hat ja die Regionalisierung des Marktgeschehens massiv vorangetrieben. Die einzelnen Regionen können am Markt sehr viel selbst entscheiden und erledigen. Nur wenige Dinge müssen dann zentral erledigt und entschieden werden.
Meinerseits hoffe ich sehr, dass die Vertreter die Vorlagen von Vorstand und Aufsichtsrat kritisch prüfen und wenn sie nicht ausreichend sind, diese zurückweisen. Es bedarf ja einer Mehrheit von 75 % in der Vertreterversammlung. Wenn diese die Fusion mit der Volksbank Bodensee Oberschwaben ablehnen, könnte neu verhandelt werden.

Bernhard Hertrich
ist gebürtig in Singen, von Beruf Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht in Singen und Seniorchef eines Familienunternehmen in dritter Generation. Hertrich ist zudem u.a. Mitglied des Aufsichtsrates der Volksbank Villingen, einer Genossenschaftsbank mit einer Bilanzsumme von über 13 Milliarden € und über 1000 Mitarbeitenden.




