Integration praktisch gesehen: Können Christen und Muslime gut zusammenleben?

von Dorothea Wuttke

Das Zusammenleben von Christen und Muslime in einer Wohnung kann wie bei jeder interkulturellen oder interreligiösen Wohngemeinschaft sowohl bereichernd als auch herausfordernd sein. Denn gemeinsame Werte, gegenseitiger Respekt und Toleranz  sind die Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben. Beide Religionen lehren Nächstenliebe und Barmherzigkeit, was als gemeinsame Basis dienen kann. Dabei fördern offene Gespräche über Glaubensfragen, Traditionen und Lebensweisen das Verständnis füreinander.

Soweit die Theorie!

Schauen wir uns jetzt mal ein nicht ganz unrealistisches Szenario an.

In einem gemeinsamen Haushalt leben: Die Christin Hedwig, der Muslim Abdellkader, die konfessionslose Marie-Luise  und zwei kleine Kinder. Das Wohnverhältnis besteht schon einige Jahre. Trotz Gemeinsamkeiten sind die oft kleinen Reibereien im Alltag ein täglicher Begleiter.

 Daher überlegt sich Hedwig, die Schwierigkeiten aufzulisten, um sich Klarheit zu verschaffen und ihre Toleranzfähigkeit zu prüfen. Sie möchte daher ihre eigene Reaktion in gewissen Situationen überdenken und überlegen, was zu tun wäre, um ein harmonisches  Zusammenleben zu gestalten.

Folgende Punkte hat sie gefunden:

Der lange Ruf der fünf Gebetszeiten via Handy- App nervt sie und meint, er könne doch gleich die App abstellen und zum Beten gehen.

Auch beim Essen gibt es Unterschiede: Das Fleisch muss unbedingt halal geschlachtet sein und das Geschirr trotz Geschirrspülmaschine nochmal  ausgiebig gesäubert werden. Die Reinigung der Füße wandelt das Badezimmer in einen wahren Naßbereich um. Die Wasserrechnung lässt grüßen!

Die christlichen Feiertage  Weihnachten und Ostern werden von ihm  mehr kommerziell gesehen und  nicht so mitgefeiert oder respektiert  wie er den Ramadan zelebriert. Hedwig fühlt sich in ihrer Religion nicht geachtet. Am meisten stört sie, dass keine Geschenke an Weihnachten an die Kinder verteilt werden dürfen.

Die kulturellen Unterschiede zeigen sich in seinem Erziehungsstil mit den Kindern. Das erinnert sie an die Erziehungsmethode in den 50iger Jahren, heute längst überwunden. Welch ein Graus!

Das Rollenverständnis in der Gemeinschaft ist auch anders als es hier gelebt wird. Da war ja in den letzten Jahren viel Engagement für Gleichberechtigung der Frauen drin. Keine Rückwärtsrolle bitte, denkt sie.

Sie findet  noch weitere Unverträglichkeiten im täglichen Zusammenleben, aber wo gibt es das nicht?

Sie überlegt, was denn kleine Schritte wären, mit denen man anfangen könnte.

Vielleicht wäre es wichtig, sich in den anderen hineinzuversetzen und nicht gleich das Anderssein als falsch anzusehen. Dazu müsste man die Meinungsverschiedenheiten ansprechen und mit „good will“ gemeinsame Regeln aufstellen. Das wäre vielleicht ein erster Ansatz! Toleranz bedeutet ja nicht, dass alles gleich sein muss, sondern es bedeutet, dass man Unterschiede akzeptiert und miteinander umgeht, ohne sich gegenseitig zu verurteilen. Denn in unserer heutigem sehr konfliktreichen  Welt ist es wichtig im Kleinen zu zeigen, dass ein friedliches und respektvolles Miteinander möglich ist, egal welcher Religion man angehört.

Gerne diskutiere ich mit euren/Ihren Erfahrungen.   


Siehe auch:

Was heißt und bedeutet Integration eigentlich? 

von Dorothea Wuttke Die Ostertage (s.u.) und die Ereignisse in Rom- insbesondere die Botschaft des verstorbenen Papstes inspirieren und bringen mich dazu, über ein friedliches…

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