Keine Ehrenamtskarte für Konstanz

von Gordon Hügel

Die nicht Realisierung der Ehrenamtskarte in Konstanz ist ein erschütternder Schritt, der die eigentlichen Werte der Stadtgesellschaft in Frage stellt. Ehrenamtliches Engagement ist das Rückgrat vieler Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens – von der Kultur über den Sport bis hin zur sozialen Hilfe. Tausende von Bürgerinnen und Bürgern leisten tagtäglich unschätzbare Arbeit, oft unbezahlt und aus Überzeugung. Statt dieses Engagement zu würdigen und zu fördern, wird nun die Ehrenamtskarte, die als Anerkennung und kleine Unterstützung für die ehrenamtlich Tätigen gedacht war, nicht kommen. 

Dies ist nicht nur eine Enttäuschung für die unzähligen Menschen, die sich in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl einsetzen, sondern auch ein klares Signal, dass die Stadt Konstanz dem Ehrenamt keine Priorität mehr einräumt. Was ist das für ein politisches Signal, wenn Menschen, die sich freiwillig und ohne Gegenleistung für das Gemeinwohl einsetzen, diese wertschätzende Anerkennung nicht bekommen. 

Noch fragwürdiger wird es, wenn man einen Blick auf die jüngsten finanziellen Entscheidungen wirft. Während den Ehrenamtlichen die Mittel vorbehalten werden, werden z.b. 2,3 Millionen Euro (2023) in die Finanzierung des Bodenseeforums gesteckt, einer Institution, die in der breiten Bevölkerung wenig greifbare Wirkung hat. Es ist nicht nachvollziehbar, wie man auf der einen Seite die bescheidene Unterstützung des Ehrenamtes nicht wertschätzt und auf der anderen Seite für ein solches Projekt Millionenbeträge zur Verfügung stellt.

Die Wähler sollten genau hinschauen und sich bewusst machen, wer in diesem Zusammenhang gegen die Ehrenamtskarte gestimmt hat. Diese Entscheidung ist nicht nur eine Abkehr von der Wertschätzung des Ehrenamtes, sondern auch ein klarer Fall von Fehlallokation öffentlicher Gelder. Es kann nicht sein, dass bei den kleinen Bürgern und ihrem Engagement gespart wird, während an anderer Stelle großzügig mit Steuergeldern umgegangen wird. Solche Entscheidungen müssen politisch hinterfragt und dürfen in Zukunft nicht mehr toleriert werden. Das Ehrenamt verdient mehr Anerkennung und Unterstützung – gerade in einer Zeit, in der Solidarität und Zusammenhalt mehr denn je gefragt sind.

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