von Friedrich Kratzer

Diejenigen, welche nach dem Neujahrstag den neuen Kalender studieren fällt auf, daß einige Festtage nicht überall gefeiert werden. Solch ein Festtag ist auch Epiphanie, oder Drei Könige am 6. Januar. Gesetzlicher Feiertag ist das Fest in Deutschland in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt. In der Schweiz in den Kantonen Schwyz, Uri und Tessin sowie in einigen Gemeinden in Graubünden, auch in der Stadt St.Gallen.
Staatlicher Feiertag ist Epiphanie in anderen europäischen Ländern Andorra, Finnland, Griechenland, Island, Italien, Kroatien, Liechtenstein, San Marino, Schweden, Slowakei, Spanien, Österreich und Polen. Die doch noch große Anzahl an europäischen Ländern, welche an der Beibehaltung diese Festes festhalten, weist auf den ursprünglich großen Charakter dieses Festes hin.
Epiphanie, oder bei den Griechen Theophanie (= Erscheinung Gottes unter den Heiden) genannt, ist das zweite große Hochfest welches die Christenheit nach der Anastasis (= Auferstehung/Ostern) im 2. Jahrhundert -im Orient noch früher- eingeführt hat, und am 6. Januar gefeiert wird. Es vereinigt in sich die Begebenheiten Christi Geburt, die Anbetung der drei Weisen (Gelehrte) aus dem Orient, die Taufe des Herrn im Jordan, sowie die Wandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kanaan – also das erste öffentliche Auftreten von Christus.
Unter Kaiser Flavius Valerius Constantinus d. Gr. (306-337) wurde nach dem Mailänder Edikt von 313 das Fest Christi Geburt auf den 25. Dezember als eigenes Fest (Weihnachten) vorverlegt, um alte römische heidnische Feste abzulösen. Diese neue Regelung wurde auch vom den orientalischen Kirchen übernommen.
In den Klöstern wird am Abend des Festes am 6. Januar heute noch folgende Antiphon zum Magnifikat gesungen: „Drei Wunder zieren den heiligen Tag, den wir feiern – heute führte der Stern die Weisen zur Krippe; heute wurde bei der Hochzeit Wasser in Wein gewandelt; heute wollte Christus im Jordan von Johannes getauft werden, um uns zu erlösen, allelúja.“
Zu Epiphanie finden in Ost und West große Wasserweihen statt. In Griechenland ziehen die Gläubigen ans Meer. Der Priester segnet das Meer mit dem Handkreuz und wirft es dreimal ins Wasser, wo junge Burschen bereit zum Tauchen sind. Wer das Kreuz als erster findet, erntet Respekt bei den Mädchen. Im kalten Rußland nehmen ganz abgehärtete Burschen ein Bad im „Weihwasser“ welches zuerst vom Eis befreit werden muß.
Nach Psalm 71.10 „Die Könige von Tharsis und den Inseln entrichten Tribut, die Könige von Sabas und Arabien nahend opfernd mit Gaben. Alle Könige huldigen ihm“, werden im Westen die drei Weisen „Könige“ genannt. Wie in den deutschsprachigen Länder der hl. Nikolaus, werden in Italien, Spanien und Frankreich die Kinder einen Monat später, am 6. Januar von der „Drei Königen“ beschenkt.
Ein alter Heischebrauch an Dreikönig ist das Sternsingen. Drei Buben als Könige verkleidet, gehen mit einem Sternträger von Haus zu Hof, singen Lieder, sagen Gedichte auf und bekommen dafür Süßigkeiten.
Das Sternsingen war früher den Burschen vorbehalten, während die Mädchen im Advent als „Herbergssuchende“ unterwegs waren.
Quellen:
Dr. Hans Müller Das moderne Lexikon Bertelsmann Lexikon-Verlag Gütersloh 1979
Anselm Schott OSB Diurnale monasticum Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1935
Romano Guardini Deutscher Psalter Kösel-Verlag München 1950
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