Europäische Partnerschaften aktiv fördern und nicht darnieder liegen lassen.
von Claus-Dieter Hirt

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben zwei mörderische Kriege Europa und die Welt verwüstet. Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges war es der sehnlichste Wunsch aller, jegliche Anstrengung zu unternehmen, um künftig Kriege unmöglich zu machen. Wer heute durch den Süden Deutschlands fährt, findet daher am Ortseingang vieler Städte Hinweise auf Partnerschaften mit ausländischen Kommunen als Zeichen vielfältiger lokaler Außenpolitik. Mit der Partnerschaft des Landkreises Konstanz mit der Region Istrien wurde im Kreis Konstanz ein weiterer Mosaikstein gesetzt und entsprechende Schilder an den Einfallstraßen des Landkreisgrenzen angebracht. Und nun?
Städte – und Landkreispartnerschaften sollten von Anfang an dazu beitragen, die Menschen in Europa friedlich zusammenzuführen mit dem Ziel, ein normales Verhältnis wachsen zu lassen. Was heute scheinbar als selbstverständlich gilt (nahezu unbegrenzte Reisemöglichkeit, der gemeinsame Euro, Internationalität) war vor Jahrzehnten eine Pioniertat. „Normalität“ an sich ist aber ein ambivalenter Begriff, nie etwas Selbstverständliches oder Abgeschlossenes, sondern „Normalität“ muss immer wieder und von jeder Generation und deren Denken neu erarbeitet und bestätigt werden. Dazu bedarf es im Landkreis Konstanz wie in seinen 25 Städten und Gemeinden motivierte und motivierende politische Verantwortliche, ohne deren eigene, aktive Teilhabe und Motivation die Partnerschaften brachliegen und zum Schaufenstergegenstand verkümmern.
Angesichts der bekannten gesamteuropäischen Stagnation und Resignation ist diese Aufgabe heute ebenso dringlich wie vor Jahrzehnten. Denn während Urlaubsreisen zwar Menschen miteinander in Kontakt bringen, eröffnen die kommunalen und Partnerschaften im Landkreis die Gelegenheit, Näheres über die europäischen Nachbarn und deren Empfinden über „Brüssel und Straßburg“ zu erfahren. Denn wenn auch jedermann weiß, dass wir einander brauchen, gelingt besonders Frankreich, Italien und Deutschland aktuell keine nachhaltige Lösung der Flüchtlingskrise. So wächst die Gefahr, dass uns dieser Kontinent, das größte Friedenswerk der Gegenwart, krachend um die Ohren fliegt.
In der kleinen Welt des Landkreises beginnt daher nichts weniger als eben der Aufbau Europas und die Realisierung der europäischen Werte. Dabei sollte man diese Arbeit wichtig nehmen, ohne sich selbst zu überschätzen. Und umgekehrt: die Region, der Ort also, der dem Menschen am nächsten steht, ist unmittelbar von den Entscheidungen Brüssels bzw. der EU betroffen, ja teils abhängig.
2017 sprach der damalige französische Generalkonsul aus Stuttgart vor dem Kreistag des Landkreises Konstanz. Die Neuwahl des Kreistages Konstanz am 09.06.2024 bietet sich dazu an, nun den italienischen Konsul aus Freiburg, als Vertreter des zweitgrößten EU-Mitgliedslandes zu einer der nächsten Kreistagssitzungen einzuladen.




